Was wirst du als nächstes tun?


Die Zeit um den Jahreswechsel, diese Rück- und Vorschauphase, scheint mir ein guter Zeitpunkt für die Erinnerung: Wie wir uns nennen, wie wir über uns und unsere Rollen sprechen, ist nicht das Wichtigste. Wichtiger ist, was wir tun. Täglich, fasttäglich.

Wie Stephen Fry sagt: We are not nouns, we are verbs. I am not a thing – an actor, a writer – I am a person who does things – I write, I act – and I never know what I am going to do next. I think you can be imprisoned if you think of yourself as a noun.

(„Wir sind keine Dingwörter, wir sind Tunwörter. Ich bin kein Ding – ein Schauspieler, ein Schriftsteller – ich bin eine Person, die Dinge tut – ich schreibe, ich schauspielere – und ich weiß nie, was ich als nächstes tun werde. Ich glaube, du kannst dich in dir selber einsperren, wenn du dich als Substantiv siehst.“)

Wir hängen so oft fest in den Fragen, wer wir sein und werden wollen. Wie wir das nennen. Ob wir uns das erlauben dürfen, ob uns das geglaubt wird. Hängen also in unserem eigenen Kopf und in den Wahrnehmungen der anderen.

Hilfreicher und schöner ist es oft, in das Nicht-Wissen, in den Freiraum hinein zu spüren. Damit vielleicht auch in den Körper. Dich zu fragen: Was wirst du in den nächsten Tagen, Wochen, Monaten tun? Oder einfach nur zu beobachten, was du tust. Das ist dann deine Praxis. Und die wirkt sich auf dein Leben aus und auf das Leben der Menschen, die du mit dieser Praxis berührst.

Wenn du zum Beispiel in den nächsten Tagen, Wochen, Monaten über das Schreiben nachdenkst oder sogar schreibst – dann ist Schreiben deine Praxis. Dann wirkt sich das Schreiben auf dein Fühlen und Denken und Sortieren aus, und es wirkt in den Menschen nach, mit denen du eventuell dein Geschriebenes teilst.

Wenn ich in den nächsten Tagen, Wochen, Monaten mir immer wieder mal ein Lied anmache und mich dazu frei bewege – dann ist Tanzen ein Teil meiner Praxis und verändert auch andere Dinge in meinem Leben. Wie ich gehe, oder wie ich schwimme, oder wie ich über Improvisation nachdenke. Wenn ich mich mit anderen Menschen zum Tanzen treffe und mich mit ihnen darüber austausche, dann wird es ein noch stärkerer und spannender Teil meiner Praxis.

Wenn ich mich in der nächsten Zeit am Wochenende hinsetze und in mein Zeichenheft kritzele, dann ist Zeichnen wieder ein Teil meiner Praxis, damit meines Denkens, Fühlens, Wahrnehmens. Und wenn ich es endlich schaffe (was ich schon ewig vorhabe!), mich mit anderen Menschen hier in Leipzig zum Zeichnen zu verabreden, dann integriert sich das nochmal ganz anders in mein Leben, und dann entstehen sicherlich Verknüpfungen und Bewegungen, die ich mir im Moment noch gar nicht vorstellen kann.

Wie wir uns nennen, kann natürlich auch wichtig sein. Denn ein Name kann Energie geben, die uns ins Tun bringt.

Deshalb hier auch nochmal die Erinnerung: Du darfst dich genau so nennen, wie du das brauchst, um das zu tun, was du tun willst. (Außer natürlich bei rechtlich geschützten Begriffen – aber selbst da darfst du für dich selber, vor dir, dich genau so schon nennen, auch wenn dir noch diese oder jene Prüfung fehlt.)

Wenn es dir eine aufregende, lodernde Energie gibt, dich Künstler:in zu nennen: nenn dich so. Wenn du viel besser und in Ruhe arbeiten kannst, wenn du deine Kunst dein Hobby nennst: nenne es so. Wenn es dich wach und präsent hält, wenn in deinem Profil steht, dass du „a writer“ bist: nenn dich so. Wenn du am besten schreiben und nachdenken und verknüpfen kannst, wenn du das ungestört tust und anderen nur sagst, dass du „ein bisschen Tagebuch schreibst“: nenne es genau so.

Und wenn es sich an dem einen Tag so anfühlt und am nächsten ganz anders: benenne das genau so, oder lass es einfach unbenannt und geh der Freude in deinem Tun nach.

Du bist die Person, die festlegt, wie deine Arbeit heißen darf. Und vielleicht ist es auch gar nicht so wichtig, wie die Menschen um dich herum ihre Arbeit nennen.

Entscheidend für deine Arbeit bleibt, was du tust und was du nicht tust, wer du unter deinen vielen Rollen bist und wer du nicht bist. Welche Verben in deinem Alltag vorkommen.

(Entscheidend ist auch nicht, dass deine Verben deinen Alltag bestimmen – ein ganz kleines Tun zählt genau so.)

Deshalb hier auch nochmal die Erinnerung: Unsere Schreibangebote richten sich nicht an bestimmte Berufsgruppen, an bestimmte Substantive.

Wir sind an deinen Verben interessiert.

Wenn du schreibst, wenn du ein bisschen schreibst und das gerne mehr machen möchtest, wenn du noch nie wirklich geschrieben hast und das 2025 anfangen willst, wenn du ins Tun kommen oder im Tun bleiben willst, dann bist du in unseren Gruppen willkommen.

Woran du schreibst oder schreiben willst, spielt dabei keine Rolle – wir hatten schon alles dabei von Newslettern bis hin zu Orakelkarten, von Websitetexten zu Roman-Manuskripten, von Bachelor-Arbeiten über Texte für Online-Kurs bis hin zu Lyrikbänden, dazu Kinderbücher, private Briefe, Memoiren für die eigene Familie …

Wir freuen uns auf genau diese Mischungen von Ansätzen, Prozessen und Textformen. Genau aus dieser Mischung ergibt sich immer wieder der starke Zauber dieser gemeinschaftlichen Schreibräume.

Aus diesen Elementen kannst du auswählen, um nächstes Jahr mit uns mehr ins Schreib-Tun zu kommen:

  • Schreibtage: Einzelne Tage online in Gruppe, als klarer Rahmen und Verbindlichkeitsanker für dein Schreiben und mit Rückenstärkung von uns, plus eine Feedback-Textwerkstatt, falls du Rückmeldung zu deinen Texten haben willst oder Input zu Fragen, die beim Schreiben entstehen. Der nächste Termin ist am 10. Januar, hier findest du alle Details dazu.
  • Schreibwochen: Eine Woche zum gemeinsamen Schreiben, mit Co-Writings, Feedback-Textwerkstätten, Workshops, Zweifelsprechstunde und einem Schreibspaziergang – perfekt, um ein neues Schreibvorhaben zu beginnen oder in einem bestehenden Projekt ein paar kräftige Schritte voran zu kommen. Die erste unserer vier Schreibwochen im kommenden Jahr beginnt am 27. Januar, hier gehts zu den Details.
  • Mentorate: Sowohl Kathrin als auch ich bieten individuelle Schreib-Begleitungen an, zur ganz konkreten, unterstützenden Arbeit an deinem Text genau so wie zu den größeren Fragen rund ums Schreiben, vom Entwickeln einer täglichen Schreibpraxis bis hin zum Veröffentlichen. Hier findest du mehr Informationen dazu.
  • Schreibpakete: Die verschiedenen Elemente gibt es jeweils deutlich günstiger als Paket. Hier findest du alle Schreibtage gebündelt, im Kleinen Schreibjahr sind alle Schreibwochen gebündelt, und im Großen Schreibjahr ist alles zusammengebündelt, inklusive vier Einzelbegleitungstermine mit uns.

Du kannst dir dein Schreibjahr also genau so zusammenstellen, wie du es brauchst – melde dich sehr gern bei Fragen dazu. Für alle Angebote gelten außerdem soziale Preismodelle und gibt es Stipendienplätze, die Details dazu findest du jeweils beim Angebot selber.

Und nun: Hab einen sehr guten Start in dieses neue Jahr, mit allem, was es bringen wird! Ich, und wir, freuen uns auf dich und alles, was wir gemeinsam tun werden.

E I N L A D U N G E N

Schreibtag am 10. Januar, 9 bis 17:30 Uhr

Wir sitzen an einem Schreibtag digital zusammen, du arbeitest an deinen Texten (oder deiner Website) und wir sind in unserem Forum durchgehend da für all deine Fragen, geben Feedback und Motivation, checken morgens und mittags gemeinsam in der Gruppe per Zoom mit dir ein und feiern am Abend mit dir, was du geschafft hast.

Das ist also fast so, als würden wir gemeinsam in einem Raum sitzen und du kannst uns jederzeit kurz an deinen Schreibtisch rufen. Dann können wir kurz einen Auszug von dir lesen und dir Feedback dazu geben oder dir einen Schreibimpuls rüberreichen, können vielleicht kurz telefonieren und über deinen akuten (oder chronischen) Schreibzweifel sprechen oder dich zu einem kurzen Schreibspaziergang motivieren.

Nachmittags treffen wir uns zu einer Feedbackwerkstatt und besprechen in einer kleinen Gruppe wertschätzend (frisch entstandene) Texte oder Fragen, die du dir beim Schreiben stellst. Wir können dir in diesem Zoomtreffen aber auch eine Rückmeldung zum neuen Look deiner Startseite oder einem Buchcover geben.

So bist du nicht alleine mit deinen Texten und deiner Website und du hast monatliche fixe, konkrete Termine fürs Schreiben, Feedback einholen und Überarbeiten.

Hier findest du mehr Infos und kannst deinen Termin buchen.

Wir-sind-nicht-alleine-Telko: 22. Januar, 14 - 15:30 Uhr

Eine monatliche, kostenlose Gemeinschafts-Videokonferenz für (werdende) Einzelselbständige, die Austausch und Unterstützung suchen.

Auch im Januar ausnahmsweise nicht am letzten, sondern am vorletzten Mittwoch des Monats – und wir experimentieren weiterhin mit einem sanften Ankommen mit kleiner poetischer Schreibaufgabe, denn das kam beim letzten Mal extrem gut an :)

Hier geht es zu Details zur Wir-sind-nicht-alleine-Telko.

Schreibwoche Januar: 27. Januar bis 1. Februar 2025

Eine Woche voller Anregungen, Unterstützung und Gemeinschaft, um neue Texte zu beginnen oder begonnene fertig zu stellen. Eine Einladung, dein Schreiben ernster zu nehmen und gleichzeitig ins Spielen zu kommen, ins wilde und freudvolle Ausprobieren und Forschen. Alle Textarten sind willkommen!

Die Schreibwoche Januar ist eine von vier Schreibwochen im kommenden Jahr, die es auch in vergünstigten Paketen gibt, nämlich dem Kleinen und dem Großen Schreibjahr.

Hier findest du Details zur Schreibwoche und zum Schreibjahr.

Und überall können wir singen

im Hinterhof an der Kasse des Supermarkts

in der Küche nachts wenn die Nachbarin

die Stirn auf die Tischplatte legt

und die Schaufenster leuchten

überall können wir den Mund öffnen

das Licht schlucken das gerade eben

noch da war zwischen deinen Fingern

– Marie T. Martin

Die gute Website

Für Haltung, gegen Perfektionismus. E-Mail ist unsere liebste Art, digital zu kommunizieren. Mails können persönlich und direkt und unaufdringlich sein, mehr Unterhaltung zu zweit als Megafon. Dadurch ergeben sich so schöne und tiefe Dialoge, und dadurch wiederum Beziehungen. Diese „E-Mail-Briefe“ sind unsere Einladung an dich, an diesem Dialog teilzunehmen. An dem Versuch, über diese Bildschirme einen echten Austausch zu wagen.

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Hier kommen ein paar Gedanken zu der aktuellen Frage, ob es gerade noch moralisch vertretbar ist, auf Instagram zu bleiben. Ich vermute, dass diese Frage viele in meinem Umfeld beschäftigt (ich weiß, dass sie mich doll beschäftigt hat!), und es haben mich in letzter Zeit eine ganze Reihe von mehr oder weniger leisen öffentlichen „Austritten“ erreicht. Der Auslöser ist im Moment vor allem, dass Zuckerberg direkt nach Trumps Antritt bekannt gegeben hat, es werde auf seinen Plattformen keine...

Hier kommt ein kleiner Gruß von uns und einem sehr kleinen Körbchen. Das Körbchen habe ich (Kathrin) bei einem Spaziergang während der Schreibwoche im Schaufenster einer Korbflechterei entdeckt. Ich musste sofort an Ricardas und unser fortlaufendes Sprechen über Behälter denken (und unsere gemeinsame Liebe für Mini-Dinge). Ich ging also hinein. Es gab sehr viele Körbchen an einer langen Schnur und einen Hund, der korbfarben war und gestreichelt werden wollte. Ich suchte ein Körbchen für...

Seit Dezember haben wir ein neues, besonderes Element hinzugefügt zu unserer kostenlosen Wir-sind-nicht-alleine-Telko: den Mini-PoeTisch. Das ist ein spielerischer Schreibimpuls zu Beginn, der hilft, erstmal bei sich landen zu können, sich selbst und die eigene Kreativität zu spüren. Um danach dann etwas geerdeter, etwas lebendiger mit den anderen in Kontakt kommen zu können. Die Resonanz darauf war beim letzten Mal so schön (auch von Menschen, die sonst nicht so viel mit Gedichten zu tun...